Neue Kriminalitätsstatistik für den Vatikan

Die Zahl der Diebstähle auf dem Boden des Vatikanstaats ist leicht gestiegen. Das ergibt sich aus einem Bericht zum Start des vatikanischen Gerichtsjahrs, der an diesem Samstag im Vatikan vorgestellt wurde. In den zwölf Monaten bis zum 30. September 2016 seien insgesamt 78 Diebstähle zur Anzeige gekommen, in den zwölf Monaten zuvor waren es „nur“ 58 gewesen.

Opfer der Langfinger sind in der Regel Touristen auf dem Petersplatz oder in den Vatikanischen Museen. Die vatikanische Gendarmerie hat insgesamt viermal mutmaßliche Taschendiebe verhaftet; die Gesamtzahl der Verhaftungen im Vatikan lag im abgelaufenen Gerichtsjahr bei 33. Etwa die Hälfte der Verhafteten seien an die italienische Polizei überstellt worden.

Aus dem neuen Bericht ergibt sich auch, dass in Einzelfällen weiterhin vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan weitergegeben werden. Die Statistik spricht außerdem von 28 Fällen des versuchten Betrugs. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche seien 2016 über zwei Millionen Euro beschlagnahmt worden – das ist auch der Erfolg eines eigens für solche Fälle eingerichteten, neuen Ermittlergremiums. (rv)

Kurienreform-Beratungen mit dem Papst: „Kein Drama“

Schon hundert Mal haben Papst Franziskus und sein Kardinalsrat eine Arbeitssitzung abgehalten: Das sagte die stellvertretende Vatikansprecherin Paloma García Ovejero an diesem Mittwoch. Auch in diesen Tagen ist der K-9-Rat zusammengetreten; er heißt so, weil ihm neun Kardinäle – aus allen Erdteilen – angehören. Aufhorchen ließ der Rat diesmal, weil er zu Beginn seiner Beratungen mit Franziskus am Montag diesem in einer Erklärung seine Loyalität versicherte.

„Wir hatten einfach das Gefühl, dass so eine Erklärung eine gute Sache sein würde“, erklärte Kardinal Reinhard Marx vor der Presse. „Wir wollten da keine große Sache veranstalten, kein großes Drama. Es schien uns eben an der Zeit, zu versichern: Wir unterstützen den Papst und gehen mit ihm zusammen vor.“ Auch auf Nachfrage von CNN wollte der Münchner Erzbischof, der zum K-9-Rat gehört, nicht direkt sagen, warum Franziskus‘ Beratern gerade jetzt so eine Erklärung richtig schien. „Sie wissen doch besser als ich, was vorgeht, Sie haben doch die Diskussionen gesehen.“ Mutmaßlich bezog sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auf die andauernde Debatte über das Papstdokument „Amoris Laetitia“ über Ehe und Familie, mit dem vier Kardinäle in einem später veröffentlichten Brief unter dem Titel „Dubia“ hart ins Gericht gingen.

Zum genauen Inhalt der K-9-Beratungen von Montag bis Mittwoch gab sich die zweite Vatikansprecherin zugeknöpft: Um die Missions- und die Ostkirchenkongregation sei es gegangen, um den Dialograt, der die Beziehungen der Kirche zum Islam im Blick hat, um die Wirtschafts- und Medienreform sowie um den „Prozess für die Auswahl von Kandidaten für das Bischofsamt“.

Auch über die höchsten kirchlichen Gerichte hätten die Kardinäle unter Anwesenheit des Papstes gesprochen: über die Apostolische Pönitentiarie, das Tribunal der Apostolischen Signatur und das der Römischen Rota. Eine Zusammenlegung dieser drei unabhängigen Gerichte stehe nicht auf der Tagesordnung, überhaupt sei das nur eine „piccolissima riforma“, eine ganz kleine Reform. Oder wie Kardinal Marx gesagt hätte: „keine große Sache, kein Drama“. (rv)

Amoris Laetitia: So interpretiert der Präsident der Gesetzestexte das Schreiben

VATIKANSTADT – Keine Antworten, aber weitere Fragen: Für den heutigen Dienstag war angekündigt, dass Kardinal Francesco Coccopalmerio mit einem Buch über das umstrittene achte Kapitel von Amoris Laetitia (AL) Antworten auf die offenen Fragen von AL liefern werde. Doch der Kardinal erschien nicht zum Termin – und seine Sprecher erklärten, das Buch liefere keine Antworten auf die Dubia.

Offizieller geht es kaum: Es war eine vorab angekündigte Presse-Konferenz bei Radio Vatikan, bei der das Werk vorgestellt werden sollte; geschrieben hat es der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte; und verlegt wird es beim Verlag des Vatikans, der Libreria Editrice Vaticana. Das Buch trägt zudem den Titel: „Das Achte Kapitel der Post-Synodalen Apostolischen Exhortation Amoris Laetitia“.

Im Vorfeld hieß es daher bereits seitens vieler Beobachter: Damit würden die Fragen zu AL nun endlich beantwortet. Zumal die Sprecher des Autors, darunter der Vatikanist Orazio La Rocca, das Buch als Antworten auf die fünf „Ja/Nein“-Fragen der vier Kardinäle bezeichnet hatten.

Doch dann kam alles anders.

Wegen einer „Terminkollision“ sei der Autor verhindert: So erklärten die Veranstalter die Abwesenheit von Kardinal Coccopalmerio bei der Vorstellung seines Buches am heutigen Dienstag. Und die Moderatoren des Events erklärten, es liefere keine Antworten auf die Dubia.

„Nur Pastorale Überlegungen“

Tatsächlich liefere das kurze Büchlein mit dem langen Titel nur pastorale Überlegungen zum Thema, so die anwesenden Sprecher der Pressekonferenz. Auf keinen Fall schreibe der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte hier als Kirchenrechtler, wurde betont.

Das Fazit der Überlegungen ähnelt den Interpretationen der Maltesischen und Deutschen Bischofskonferenzen: Dank AL sollen geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion gehen können. Die Entscheidung liege beim einzelnen; dieser kann das für sich entscheiden, deutet der Autor die Exhortation.

Gleichzeitig betont der Kurienkardinal, dass trotzdem die Lehre der Kirche weiter bestehe und auch kein Eindruck aufkommen sollte, die Änderungen von AL bedeuteten nun, „dass diese Verbindung regulär sei und daher die Ehe nicht nötig oder nicht unauflöslich“ sei.

Damit widerspricht der Präfekt der Gesetztestexte freilich dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Dieser hat erst jüngst erklärt, dass eine Kommunion für geschiedene und Wiederverheiratete gegen die Lehre der Kirche verstoße; und dass niemand, auch der Papst, dies ändern könne.

Offene Fragen

Vor diesem Hintergrund stellen die nun vorgelegten Reflektionen von Kardinal Coccopalmerio einen neuen Diskussionbeitrag dar, der nun anderen Beiträgen (nicht weniger renommierter Würdenträger und Experten) widerspricht und somit die Debatte über die „Freude der Liebe“ und deren Auslegung weiter beschleunigt. Eine Klärung des „faktischen Schismas“ (der Vatikanist Guido Horst), dass diese Situation hervorgerufen hat, findet nicht statt; und die offene Fragen zu Amoris Laetitia harren weiter einer Beantwortung. (CNA Deutsch)

Ökumene mit der Orthodoxie: Einheit geschieht auf dem Weg

Es war die erste Begegnung zwischen einem Papst und dem orthodoxen Patriarchen von Moskau überhaupt, vor genau einem Jahr trafen sich die beiden in denkbar nüchterner Umgebung auf dem Flughafen von Havanna. Papst Franziskus war tags zuvor Richtung Mexiko aufgebrochen, um den Patriarchen auf Kuba treffen zu können.

„Wir sind Brüder, und es ist ganz klar, dass das hier der Wille Gottes ist,“ hatte der Papst damals nach der Unterzeichnung eines gemeinsamen Dokumentes gesagt. Was aber bleibt von diesem kurzen Treffen, ein Jahr danach? Dieser Frage ist am Sonntag an der Universität Fribourg in der Schweiz ein Studientag nachgegangen, den das dort ansässige Institut für Ökumenische Studien gemeinsam mit der Schweizer Bischofskonferenz ausrichtete. Mit dabei waren die Ökumene-Verantwortlichen sowohl der russisch-orthodoxen als auch der katholischen Kirche, Metropolit Hilarion aus Moskau und Kardinal Kurt Koch aus dem Vatikan.

Die Frage war, was sich in den Beziehungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche durch und seit der Begegnung auf Kuba getan hat. „Wahrscheinlich mehr noch als konkrete Ereignisse ist wichtig, dass sich die Atmosphäre geändert hat“, berichtet Barbara Hallensleben, Dogmatik-Professorin in Fribourg und eine der Organisatorinnen des Treffens. Patriarch und Papst hatten gewollt, dass ihr Wunsch, aufeinander zuzugehen und Vertrauen zu schenken, sich in den Kirchen verbreite.

Eine neue Art Theologie

Die Hauptvorträge des Tages hielten für die orthodoxe Kirche von Moskau Metropolit Hilarion und für den Vatikan der Ökumenebeauftragte Kardinal Kurt Koch. Beide sprachen auch konkretere Ergebnisse angesprochen, berichtet Hallensleben. „Eine Ökumene der Heiligen, eine kulturelle Ökumene und das, was sie die Ökumene der praktischen Zusammenarbeit genannt haben, die bis auf die politische Ebene geht. Hier wird die internationale politische Lage angesprochen, die Vertreibung der Christen in Syrien und anderen Kernlanden des ursprünglichen Christentums.“ Gemeinsame Reisen und Delegationen, zusammen vorgebrachte Appelle, aber auch gemeinsame Hilfe für die lokalen Bevölkerungen, das alles bringt die Ökumene voran.

„Was mich lange als Theologin beschäftigt hat war die Unruhe, ob das nicht eine Art Ausweichen aus der Theorie in die Praxis ist, aus der Glaubenslehre in eine einfache soziale Zusammenarbeit“, bekennt die Professorin, die auch als Konsultorin des von Kardinal Koch geleiteten Päpstlichen Einheitsrates wirkt. „Wenn ich aber die Texte jetzt lese und höre, was hier geschieht, scheint mir genau umgekehrt eine neue Art Theologie zu entstehen. Eine Theologie, welche die nichttheologischen Faktoren nicht einfach abtut, sondern sie in ihre Arbeit einbezieht, eine Theologie, die sich hier und heute engagiert, um den Glauben zu leben und Christus nachzufolgen.“

Misstrauen und Nichtwissen überwinden

Es gebe viel Misstrauen und Nichtwissen voneinander, so Hallensleben; dem versuchten die Dimensionen der Ökumene der Heiligen, also des Kennenlernens religiöser Traditionen, und die kulturelle Ökumene entgegen zu wirken. „Natürlich gibt es sowohl in der katholischen Kirche als auch in der russisch-orthodoxen Kirche gewisse Kreise, wo sehr viel Skepsis herrscht. Etwa in der katholischen Tradition gegenüber der Öffnung, für die Papst Franziskus steht, aber auch in der orthodoxen Kirche gibt es Skepsis gegenüber dem, was Patriarch Kyrill als Annäherung an die katholische Kirche vollzieht“, beobachten Hallensleben. Aber es sei zu schade, sich auf diese Beharrungskräfte und Widerstände zu konzentrieren. Wichtiger, zugleich auch schwieriger zu überwinden seien die verbreitete Unkenntnis und auch Missinformation übereinander. „Das kann man nicht in Grundsatzerklärungen in einem Schritt überwinden, sondern man braucht sehr viel Zeit und Geduld, man braucht Begegnung, man braucht neue und positive Erfahrungen, welche die alten negativen Erfahrungen und Elemente des Misstrauens mehr und mehr ersetzen.“

Darum solle diese Initiative von Havanna einerseits auch in Zukunft fortgesetzt werden, aber auch in die Ortskichen eingebracht werden, etwa durch Austausch von Studenten oder durch das Erlernen der jeweiligen Sprachen.

Die große Frage im Hintergrund ist immer die, ob denn in absehbarer Zeit einmal ein Papst auch nach Russland werde reisen können. Barbara Hallensleben wagt keine Prognose, findet aber die dezentral stattfindenden Jahrestage von Havanna im Prinzip nicht unwichtiger als eine solche Reise. „Ich bin sehr sicher, dass vielleicht tatsächlich sogar schon Patriarch Kyrill einmal Rom besuchen wird, als auch dass der Papst in absehbarer Zeit nach Moskau reisen wird.“ (rv)

K9-Rat stellt sich hinter Franziskus

Ein Dank für seine Weihnachtsansprache an die Kurie und die Zusicherung, ganz hinter ihm und seinem Lehramt zu stehen: Papst Franziskus erhält an diesem Montag Rückendeckung durch sein Beratergremium K9. In einer ungewöhnlichen Stellungnahme des Kardinalsrates schreibt dessen Koordinator, Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga, er und seine Kollegen hätten dem Heiligen Vater bei ihrer Begegnung am Montag für seine Weihnachtsansprache gedankt. Sie hätten daraus Ermutigung und Richtungsweisung für die Arbeit des Rates gezogen. In Zusammenhang mit – nicht näher bezeichneten – jüngst vorgefallenen Ereignissen versicherte der Kardinalsrat dem Papst die „volle Unterstützung“ seiner Arbeit, seiner Person und seines Lehramtes.

In seiner Weihnachtsansprache an die Kurie 2016 hatte Franziskus über die Kurienreform gesprochen. Es gehe dabei um einen „Prozess des Wachstums und vor allem der Bekehrung“, sagte der Papst vor den versammelten Kurienmitarbeitern. Kurz ging er auf Kritiker aus den eigenen Reihen ein: Neben konstruktiver Kritik, Angst und Trägheit gebe es an der Kurie bisweilen „böswillige Widerstände“ aus einem „verqueren Geist“. Diese Art von Reformverweigerung, die „oft im Schafspelz“ daherkomme, verstecke sich „hinter rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten“ und flüchte sich „in Traditionen, Schein, Formalitäten, in das Bekannte“.

Ab diesem Montag tagt der K9-Rat zum 18. Mal im Vatikan. Der hochkarätigen Gruppe gehört als Vertreter Europas der Münchner Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx an. (rv)

Franziskus besucht Jesuitenkongregation

Papst Franziskus war an diesem Sonntagmittag überraschend in der Generalkongregation der Jesuiten zu Besuch. Er traf sich dort mit dem ehemaligen Jesuitengeneral Pater Nicolás, der kurz vor seiner Abreise auf die Philippinen steht, und dem derzeitigen Ordensleiter, dem Venezolaner Arturo Sosa. Anschließend blieb er noch zum gemeinsamen Mittagessen mit den Bewohnern der Kongregation. Pater Nicolàs hatte 2014 im Einvernehmen mit dem Papst seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Ordensgeneral verkündet. Im Dezember 2016 ist Arturo Sosa zu seinem Nachfolger gewählt worden. (rv)

Vatikan veröffentlicht Logo für Papstbesuch in Fatima

Der Vatikan hat an diesem Montag das Logo für den kommenden Papstbesuch in Fatima veröffentlicht. Es besteht aus einem Rosenkranz, der in Herzform gelegt ist – und vereint somit die beiden zentralen Bildelemente des portugiesischen Marienwallfahrtsortes Fatima, wie der Designer des Logos betonte. In das Herz eingeschrieben stehen die Worte „Papst Franziskus“ und „Fatima 2017“. Der „Geist der Barmherzigkeit und des Friedens“, der das Pontifikat von Franziskus kennzeichne, aber auch sein einfacher und klarer Stil sollten in dem Logo deutlich werden, so die Erklärung des Designers Francisco Providence. Das Motto zu der Reise lautet „Com Maria, Peregrino na esperanca e na paz“ (Mit Maria, Pilger in Hoffnung und in Frieden). Anlass des Papstbesuchs vom 12. und 13. Mai ist der 100. Jahrestag der dortigen Marienerscheinungen. (rv)

Papst fordert Prophetie statt fauler Früchte — und erklärt, warum er nachts gut schläft

VATIKANSTADT – Kindesmissbrauch ist ein „Werk des Teufels“, manche Orden mit vielen Berufungen sind ihm suspekt — und trotz der Korruption im Vatikan kann er nachts mit Hilfe des Heiligen Josefs gut schlafen: Dies und einiges mehr sagte Papst Franziskus in einem dreistündigen Gespräch mit 140 männlichen Ordensoberen aus aller Welt.

Eigentlich fand das Treffen hinter verschlossenen Türen statt. Doch einer schrieb offenbar fleißig mit: Jesuitenpater Antonio Spadaro. Er gilt als enger Vertrauter des Papstes. Im „Corriere della Sera“ kann man nun nachlesen, was der Papst bei dem Treffen am vergangenen 25. November zu sagen hatte.

„Ein Werk des Teufels“

Sowohl sexueller als auch finanzieller Missbrauch sei nicht zu dulden, betonte der Papst auf die Frage, wie beide am besten zu verhindern seien. Er unterstrich die Notwendigkeit der Armut für Ordensleute, aber auch transparenter, ethisch verantwortlicher Finanzarbeit von Banken. Was sexuellen Missbrauch betreffe: „Wenn ein Priester oder Ordensleute beteiligt sind, ist es klar dass der Teufel am Werk ist, der die Arbeit Jesu ruiniert durch jene, die ihn verkünden.“ Der sexuelle Missbrauch sei eine Krankheit. Das müsse verstanden werden. Und wenn jemand in einem anderen Seminar oder Institut nicht aufgenommen worden sei, dann müsse man seine Herkunft genau und detailliert prüfen, so Franziskus.

Faule Früchte?

Der Niedergang an Berufungen beunruhige ihn, räumte der Papst ein. Gleichzeitig warnte er vor „restorativen“ Kongregationen, die „nur Rigidität“ anbieten würden: „Wenn ich höre, dass eine Kongregation viele Berufungen anzieht, dann muss ich zugeben, dass mich das besorgt“, so Franziskus wörtlich. Wie die faulen Früchte von den guten zu unterscheiden seien? Über den demütigen Pfad Jesu, durch das Zeugnis des Evangeliums.

Franziskus betonte in einer weiteren Antwort, dass darum gehe, die Frohe Botschaft ohne Beruhigungsmittel zu verkünden. Hier spielten die Orden eine wichtige Rolle: Sie müssten „radikal in ihrer Prophezeiung“ sein, so der Pontifex. „Das ist mir extrem wichtig“. Es gehe darum, die Weltlichkeit als Gemeinschaft wie als Mensch zu überwinden, abzulegen. Nur so gehe es vorwärts. Dabei sei Abtötung, Fasten und Askese eine wichtige Hilfe, unterstrich Franziskus.

Eine ruhige Nacht dank des Heiligen Josef

Natürlich: „Es gibt Korruption im Vatikan“, stellte Franziskus nüchtern fest. Trotz dieser und anderer Sorgen schlafe er jedoch sehr gut, erklärte der Papst.

„Wenn es ein Problem gibt, schreibe ich es dem heiligen Josef auf einen Zettel und lege es unter ein Statue, die ich in meinem Zimmer habe. Es ist ein Figur des schlafenden Josef. Und nun schläft er auf einer Matratze aus Zetteln!“ (CNA Deutsch)

Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“ expandiert nach Lateinamerika

Das publizistische Flaggschiff des Jesuitenordens „Civiltà Cattolica“ kommt ab sofort auch in einer lateinamerikanischen Ausgabe heraus. Die Ausgabe Nummer eins der spanischsprachigen „Civiltà Cattolica“ erschien am selben Tag wie die Nummer 4.000 der italienischsprachigen: Papst Franziskus nahm beide am Donnerstag im Rahmen eines kleinen Festaktes im Vatikan entgegen, am Abend dann wurde die lateinamerikanische Ausgabe an der Botschaft Spaniens beim Heiligen Stuhl dem größeren Publikum vorgestellt. Für sie zeichnet neben dem Chefredakteur Antonio Spadaro der argentinische Jesuit Diego Fares zuständig. Fares, der Papst Franziskus seit 40 Jahren kennt, wechselte vor zwei Jahren nach Rom. Als Verleger der lateinamerikanischen Ausgabe tritt das Haus Herder in Erscheinung. Einzelheiten von Gudrun Sailer.

„Civiltà Cattolica“ ist eine der ältesten Zeitschriften der Welt: Papst Pius IX. rief sie 1850 ins Leben. Alle Beiträge stammen grundsätzlich von Jesuiten, die verstreut über die ganze Welt leben, während die Redakteure, Skriptoren genannt, in einer eigenen Gemeinschaft in Rom in der Nähe der Spanischen Treppe wohnen, „und bei aller Verschiedenheit, wir leben immer noch“, scherzte Chefredakteur Spadaro bei der Präsentation. Papst Franziskus habe diese Linie – ausschließlich Jesuiten als Autoren – am Donnerstag ausdrücklich bestätigt, diese gemeinsame Zugehörigkeit zur Gesellschaft Jesu garantiere einen gemeinsamen Horizont. Die Jesuiten sind der größte Männerorden der katholischen Kirche, die Ausbildung der Angehörigen ist sehr gründlich und dauert mindestens zehn Jahre.

„Civiltà Cattolica“ versteht sich als „Brückenzeitschrift und nicht als „Tresorzeitschrift“, sagte Spadaro. So geht das anspruchsvolle Blatt inhaltlich weit über das Themenfeld Theologie hinaus, „wir bewegen uns frei in den verschiedenen Feldern des Wissens, es geht um Kunst genauso wie um Wirtschaft oder Politik. Die Zeitschrift präsentiert eine Sicht auf die Welt, die christlich ist, aber zugleich auf einer Wellenlänge mit der aktuellen Situation der Kirche“, erklärt Spadaro. „Papst Franziskus würde das polyedrisch nennen“ fügt sein Mitbruder Diego Fares hinzu. Er ortet eine „spirituelle Übereinstimmung“ zwischen dem Papst und der Jesuitenzeitschrift.

„Papst Franziskus interessiert sich dafür, an die Grenzen zu gehen, zu allen zu sprechen, der Dialog mit anderen Wirklichkeiten – das war immer angelegt in der Kirche, aber vielleicht sieht man es heute mit Franziskus besser. Und dieses Zugehen auf das Andere ist ganz ähnlich in der Zeitschrift.“

Die Texte und die Armen

Pater Fares, der Philosoph, dessen Bücher Papst Franziskus persönlich zur Lektüre empfahl, hat bereits in Argentinien vieles für Arme und Benachteiligte getan. Zusammen mit einer großen Gruppe Laien wirkte er in einem Zentrum für Obdachlose, darüber hinaus begleitete er Sterbende im Hospiz Casa de la Bondad. In Rom kümmert sich Pater Fares um Flüchtlinge, „keine großen Dinge, Kaffeekochen und auf Ämter begleiten“, erzählt er uns mit einem Lächeln. Und, ja, so etwas hilft gerade beim Schreiben für eine Kulturzeitschrift: „Texte werden anschaulicher und konkreter. Es wäre ziemlich anstrengend, zu schreiben ohne Kontakt mit den Armen!“

Sinn der lateinamerikanischen Ausgabe der „Civiltà Cattolica“ ist es nicht, italienische Inhalte in andere Sprachen zu übersetzen, betont Pater Spadaro. „Im Gegenteil, unsere Zeitschrift versammelt ja schon immer Beiträge von Jesuiten-Autoren aus aller Welt in den wichtigsten Sprachen (auch auf Deutsch). Nun geht es darum, diesen kulturellen Reichtum, der die italienische Ausgabe auszeichnet, auch in die anderen Sprachen gewissermaßen zurückzutragen.“

Eine weitere Besonderheit der „Civiltà Cattolica“ ist, dass jede dort veröffentlichte Zeile im vatikanischen Staatssekretariat gelesen wird, ehe sie in Druck geht. Die Zeitschrift sei nicht das offizielle Sprachrohr des Heiligen Stuhles, präzisierte Spadaro, „doch sie erscheint in Abstimmung mit den Päpsten“. Pius IX. bis einschließlich Johannes XXIII. hätten die Artikel persönlich geprüft. Auch Franziskus lese – als Jesuit – wieder viele der Texte vor der Veröffentlichung.

„Papst Franziskus kennt „Civiltà Cattolica“ sehr gut, sogar besser als ich, als Direktor…! Für uns ist das ein Stimulus, ihn nicht nur als religiöses Oberhaupt zu beobachten, sondern auch als moralische Größe der Welt. Wir erleben momentan ja eine schwierige Zeit, in der das Schlüsselwort „Mauer“ zu sein scheint. Das Schlüsselwort von Franziskus ist „Brücke“. Und da wollen wir ihm folgen.“

Die Jesuitenzeitschrift und ihr Dienst am Heiligen Stuhl

Heißt das auch, die prominente Jesuitenzeitschrift kann Dinge in größerer Offenheit schreiben, als der Papst sie klugerweise sagen könnte? Ganz so direkt würde Pater Spadaro das nicht ausdrücken.

„Der Papst hat die Zeitschrift als einmalig bezeichnet: sie leistet einen Dienst für den Heiligen Stuhl, hat aber keinen offiziellen Charakter. Sie ist aber eine gewichtige Stimme, zertifiziert, gewissermaßen, veröffentlicht Inhalte, die allgemein mit der Meinung des Heiligen Stuhles übereinstimmen. Die Inhalte sind approbiert, sie können gewissermaßen auf dieses Gütesiegel verweisen. Und dieser Akt des Gegenlesens bringt einen kulturellen Austausch hervor. Eine wirkliche Debatte über die Inhalte. Das ist nichts Technisches oder Mechanisches, es wird nicht verlangt, diesen oder jenen Satz zu ändern. Es ist viel tiefer, es braucht Zeit, jedes Mal eine lange Besprechung, die ich persönlich hochinteressant und bereichernd finde.“

Die neue lateinamerikanische Ausgabe der „Civiltà Cattolica“ wird monatlich erscheinen und dabei jeweils Artikel aus der italienischen Zeitschrift auswählen, die alle zwei Wochen herauskommt. Die spanischsprachige Fassung hingegen wird pro Ausgabe elf eigene Buchbesprechungen bieten, die wiederum getreulich im Staatssekretariat gegengelesen werden.

Die gedruckte Startauflage der lateinamerikanischen Fassung der „Civiltà Cattolica“ liegt nach Angaben des Verlegers Raimund Herder bei 1.000 Exemplaren, allerdings erhofft er sich mehr Interesse an neuen Verbreitungsformen. „Uns schwebt vor, dass wir innerhalb eines Jahres etliche Tausend Abonnements insbesondere der elektronischen Ausgabe haben werden.“ Einen Bedarf an einer solchen Zeitschrift sieht Raimund Herder klar gegeben: „Im spanischen Sprachraum gibt es viele Zeitschriften, auch sehr gute. Aber eine Zeitschrift dieses Niveaus haben wir zumindest in unseren Recherchen nicht gefunden.“ (rv)

Drahtseilakt: Vatikanische Außenpolitik in der Ära Trump

Der Vatikan legt es derzeit nicht auf eine Konfrontation mit der neuen US-Regierung an. Das machte der „Außenminister“ des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, jetzt im Gespräch mit Radio Vatikan deutlich. Auf die Frage, wie er denn den Bau von Mauern gegen Migranten bewerte, sagte der Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten im vatikanischen Staatssekretariat:

„Wir sehen, dass man an vielen Fronten arbeiten muss. Es geht darum, die Konflikte zu lindern und die Kriege da, wo es sie gibt, zu lösen. Man muss mehr für die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung vieler Länder tun, in denen die Armen geradezu gezwungen sind, eine bessere Zukunft für sich selbst und ihre Familien zu suchen – was legitim ist. In diesem Sinn arbeiten wir, und auch für eine neue Vision der Weltwirtschaft. Wir haben doch die Ressourcen und die Fähigkeit, eine gerechtere Welt zu bauen, wo es mehr Möglichkeiten zu einem Leben in Würde gibt.“

Eine Antwort auf die Frage nach der Mauer gab Gallagher nicht. US-Präsident Trump plant den Ausbau der stellenweise bereits existierenden Sperranlage zwischen Mexiko und den USA zu einer lückenlosen Mauer entlang der gesamten Grenze. Ziel ist es, illegale Einwanderung zu stoppen.

Bei einer Japanreise hat der Vatikanverantwortliche für die Beziehungen zu den Staaten in den letzten Tagen unter anderem in Tokio einen Vortrag über die Rechte von Flüchtlingen gehalten. Gallagher gab zu erkennen, dass er in Japan große Unruhe über Trumps Kurs wahrgenommen hat. Die Regierung von Präsident Shinzo Abe fürchtet, dass der neue Mann im Weißen Haus sich nicht mehr an US-Sicherheitsgarantien für Japan gebunden fühlt.

„Nach Japan zu reisen bedeutet, eine sehr spezielle Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und nach den Atombomben-Abwürfen kennenzulernen“, so Erzbischof Gallagher. „Das Land ist immer noch zutiefst traumatisiert von diesen Erfahrungen, und Friede hat für die Menschen dort einen besonderen Sinn. Den Frieden zu sichern ist die Sorge aller Japaner. Sie verstehen, welchen Preis man für Frieden zu zahlen hat und welche Anstrengung der Friede braucht. Jetzt sorgen sie sich etwa wegen der Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel, wegen ihrer Verteidigungs-Allianz mit den USA und anderen Dingen. In der Welt sehen wir ja den Frieden oft als etwas Automatisches, Garantiertes an – aber so ist das nicht. In Japan verstehen sie, welchen Preis der Friede hat und welches Leid der Nicht-Friede mit sich bringt.“

Natürlich hat der hohe Besucher aus dem vatikanischen Staatssekretariat in Japan auch das Mahnmal von Hiroshima besucht, das an den ersten Atombomben-Abwurf von 1945 erinnert. Wer denkt da nicht an die Äußerungen Trumps in seinem Wahlkampf, Japan könne sich doch alleine verteidigen, etwa indem es sich Atomwaffen zulegt. Erzbischof Gallagher ficht hingegen für nukleare Abrüstung und die Nicht-Weiterverbreitung von Atomwaffen, „auch mit einem gewissen Sinn für Realismus“.

„Wir arbeiten da im Wesentlichen an zwei Fronten: in der multilateralen Welt durch die internationalen Organismen. Und dann natürlich auch über unsere kirchlichen Kanäle. Wir hoffen, dass auch die katholischen Gemeinschaften von diesem Geist des Friedens bewegt sind, und von diesem Geist der Suche nach einer Ethik der Brüderlichkeit, von dem der Papst häufig spricht. Wir sollten unsere Ängste überwinden, die uns dazu bringen wollen, uns mit diesen schrecklichen Waffen zu verteidigen.“

Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat Papst Franziskus einiges geleistet auf dem Feld der Friedensdiplomatie. So trug die päpstliche Diplomatie zum Ende der Eiszeit zwischen den USA und Kuba bei. Jetzt könnte Trump einiges von dem, was Franziskus aufgebaut hat, wieder einreißen. Aber der Papst wird nicht lockerlassen, wie Erzbischof Gallagher sagt.

„Ich glaube, der Heilige Vater sieht die Vatikandiplomatie als einen Ausdruck dieses Dienstes, den die Kirche für die internationale Gemeinschaft leisten soll. Wir antworten auf Bitten von Regierungen und Völkern, um zum Frieden beizutragen und unser Mögliches zu tun. Dabei wollen wir nicht Hauptdarsteller sein, wir haben auch keine Patentlösungen für alles, aber in einem Geist der Brüderlichkeit können wir doch versuchen, anderen zu helfen, Vorurteile zu überwinden, miteinander zu reden, einen Dialog anzustoßen. Wir tun, was möglich ist. Der Heilige Vater wünscht, dass wir immer bereit sind, trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen, die es gibt. Wir antworten immer, wenn uns zwei Konfliktparteien anrufen – aber nicht, wenn nur eine von beiden uns ruft. Denn wir müssen immer versuchen, unparteiisch zu bleiben.“ (rv)