Patriarch Raï sieht andere „Interessen“ in Nahost-Krise

Patriarch RaiDie diplomatische Krise zwischen dem vorwiegend sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran zieht weitere Kreise. Nach den 47 Hinrichtung, unter ihnen die des iranischen Geistlichen Al-Nimr und dem darauffolgenden Angriff auf die saudische Botschaft in Teheran herrscht nun diplomatisch Eiszeit. Gleichzeitig werden die internationalen Stimmen lauter, man fordert eine Deeskalation, man bittet um Dialog, denn der diplomatische Stillstand könnte die Friedensbemühungen für Syrien schädigen. Der UN-Sicherheitsrat schaltete sich bereits ein, verurteilte den Angriff auf die saudische Botschaft in Teheran. Saudi-Arabien verteidigt sich unterdessen bei den UN für die 47 Hinrichtungen. Der amerikanische Außenminister John Kerry habe bereits Telefonate in die jeweiligen Staaten getätigt. Es geht nicht nur um den religiösen Konflikt, das betont auch der maronitische Patriarch von Antiochien, Béchra Boutros Raï, im Gespräch mit Radio Vatikan. „Seit mehr als 1.300 Jahren gibt es diesen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Es gibt leider regionale aber auch internationale Interessen. Die regionalen Interessen sind Saudi-Arabien und der Iran, zwei Mächte die ihre eigene politische und wirtschaftliche Strategie durchziehen wollen um das Mittelmeer zu erreichen. Der politische Kontrast hat sich in einen Krieg verwandelt.“

Wegen der Krise zwischen Saudi-Arabien und dem Iran wird befürchtet, dass die jüngsten Friedensbemühungen für Syrien und den Jemen zum Stillstand kommen könnten. Auch der libanesische Patriarch sieht hier andere Interessen. „Ich kann sagen, dass in diesen Kriegen in Syrien, im Iran, im Jemen – und Gott bewahre jetzt auch noch in Saudi Arabien – andere internationale und lokale Interessen eine große Rolle spielen. Wirtschaftliche, politische und strategische. Leider ist die Quelle all dieser Konflikte der unlösbare Konflikt von Israel und Palästina. So lange die internationale Gemeinde nicht diesen Konflikt löst wird es nie Frieden im Nahen Osten geben“.

Patriarch Raï stellt im Gespräch klar, dass das gemeinsame Miteinander von Muslimen und Christen im Nahen Osten eine Notwendigkeit ist. Die Konflikte würden nun zu einer „Zerstörung der Kultur, der Identität und der Menschen führen.“ Die Wahrheit sei, dass alle terroristischen und fundamentalistischen Organisationen von Ländern unterstützt werden – mit Geld, mit Waffen – nur um ihre Interessen zu fördern.

„Der Heilige Vater Franziskus sagte von Anfang an, es handle sich hier um Waffenhandel. Es stimmt! All diese Kriege….die Stimme des UN-Sicherheitsrates muss lauter werden und diesen Kriegen ein Ende setzen. Es ist unnötig, der Krieg löst nichts. Krieg führt nur zu weiteren Kriegen, weiteren Hass in der Welt. Und das ist es worum wir bitten: Wir müssen die Stimmen erheben. Leider hören wir nur eine Stimme – und das ist die Papstes. Kein Land spricht von Frieden, kein Land spricht davon den Krieg zu beenden.“ (rv)

Neuer Gardekaplan erhält Ziegelstein der Heiligen Pforte

SchweizergardeDer neue Kaplan der Schweizer Garde, Thomas Widmer, hat vom Kommandanten der Garde einen Ziegelstein erhalten, den bei der Heiligen Pforte im Petersdom stand. Mit diesem „besonderen Geschenk“ wolle Kommandant Christoph Graf dem neuen Seelsorger der Gardisten willkommen heißen. Die Übergabe fand am Sonntag im Ehrenhof der Kaserne der Päpstlichen Garde im Vatikan statt. Bei der Feier überreichte der bisherige Kaplan Markus Heinz seinem Nachfolger Widmer offiziell das Amt. Heinz hatte die Aufgabe interimistisch übernommen. Es sei eine „gütige Zeit“ für all jene, die die Möglichkeit hätten, die Heiligen Pforten zu durschreiten, erinnerte Kommandant Graf bei der Geschenkübergabe und bat dem neuen Kaplan der Garde, die Mitglieder des Korps daran zu erinnern „wie man als Christ im Alltag leben sollte“. (rv)